Die Kabelnetzbetreiber verzeichnen derzeit rasant steigende Umsätze. Diese Entwicklung geht zu Lasten der Telekommunikationsunternehmen, deren Kundenzahlen schwinden.
Hoher Anteil von Wechslern
Ein Beispiel hierfür ist der Kabelnetzbetreiber Kabel Baden-Württemberg (Kabel BW). Die Zahl der Breitbandkunden des Unternehmens stieg im vergangenen Geschäftsjahr im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Drittel. Nur etwa ein Viertel aller Neukunden sind Verbraucher, die vor Vertragsabschluss über noch keinen Internetanschluss verfügten. Die übrigen wechselten von Telekommunikationsanbietern zum Kabelnetzbetreiber. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2009 ist die Zahl der Breitbandkunden von Kabel BW um rund 33 % gestiegen, sodass das Unternehmen inzwischen (erstes Halbjahr 2010) 590.000 Internetkunden bedient. Somit nutzt etwa jeder Vierte der 2,3 Millionen Fernseh-Bestandskunden von Kabel BW auch die Internetdienste des Konzerns.
Ähnlich sieht es bei anderen Kabelnetzbetreibern aus. So hatte Unitymedia im ersten Halbjahr 2009 etwa 802.000 Internetkunden, davon waren mehr als die Hälfte Kunden, die von einem Telekommunikationsanbieter zum Kabelnetzbetreiber wechselten.
Starker Wachstumsfaktor
Der Internetmarkt ist inzwischen zum stärksten Wachstumsfaktor der Kabelnetzbetreiber geworden. Das Internetgeschäft ist für sie zudem äußerst profitabel, da hierbei vergleichsweise geringe Aufwendungen entstehen.
Die Angebote von Kabelnetzbetreibern und Telekommunikationsanbietern unterscheiden sich kaum mehr voneinander. Allerdings stehen den Kabelkonzernen schnellere Leitungen zur Verfügung. Die Telekommunikationsanbieter sind hier im Zugzwang, mit neuen, schnelleren Netzen nachzuziehen. Daher sieht beispielsweise auch der Marktführer Deutsche Telekom seine stärkste Konkurrenz auf dem DSL-Markt in der Kabelbranche. Konnte der DSL-Marktbereich im vergangenen Jahr lediglich ein Wachstum von 7 % verzeichnen, ging die Anzahl der Internetzugänge über Kabel um satte 44 % in die Höhe.
Das schlägt sich auch in den Kennzahlen zur Profitabilität der Unternehmen nieder: Der Ertrag vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern von Kabel BW betrug im ersten Halbjahr 2010 149 Millionen Euro. Mit einem Umsatz von 269 Millionen Euro in diesem Zeitraum ergibt sich eine entsprechende operative Marge von 55,4 %. Unitymedia erreichte im zweiten Quartal 2010 sogar eine Ebitda-Marge von 59,1 %. Dies ist selbst im Vergleich mit einigen der profitabelsten Telekommunikationsunternehmen beachtlich. So kam etwa die Telekom in Deutschland im ersten Halbjahr 2010 auf eine bereinigte Ebitda-Marge von etwa 38 %.
Weitere Ausbaupotenziale
Allerdings ist der Marktanteil der Kabelnetzbetreiber am Internetgeschäft bisher noch recht gering. Lediglich 4,5 % der deutschen Bundesbürger surfen über das TV-Kabel im Internet. Hier gilt es für die deutschen Kabelnetzbetreiber Kabel BW, Unitymedia und Kabel Deutschland noch einiges aufzuholen. Investitionen in den Umbau des gesamten Kabelnetzes wurden von den Unternehmen lange hinausgeschoben. Bisher scheuten deren Finanzinvestoren oftmals die hohen Investitionen. Hier sind inzwischen einige Veränderungen eingetreten, und es werden allmählich neue Wege beschritten: So ging etwa KDG im März dieses Jahres an die Börse und auch die schwedische Investmentgruppe EQT, der Kabel BW gehört, soll nach brancheninternen Aussagen einen Börsengang planen.
Ebenfalls als Wachstumshemmnis anzusehen ist die Tatsache, dass die Kabelunternehmen regional zersplittert sind. Bislang hat das Kartellamt jedoch eine Fusion der drei Kabelnetzbetreiber verhindert. Aber auch dies könnte sich bei einem weiteren Verschmelzen von Kabel- und Telekommunikationsmarkt in Zukunft ändern. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die weitere Ausbreitung der Kabelnetzbetreiber auf dem DSL-Markt entwickelt.


