Kartellamt leitet Verfahren gegen Telekom ein!

Kartellamt leitet wegen Verdachts auf Marktmissbrauch Verfahren gegen Telekom ein!

Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) hat das Bundeskartellamt ein Verfahren gegen die Deutsche Telekom eingeleitet. Der führenden Telefongesellschaft wird vorgeworfen, eine marktbeherrschende Stellung missbraucht zu haben. In Bonn bestätigte ein Behördensprecher der dpa den entsprechenden Bericht. Wettbewerber äußerten den Verdacht, dass die Ex-Monopolisten im Großkundengeschäft mit unzulässig niedrigen Preisen operieren. Angesprochen wurde unter anderem vor allem die sogenannten „Wholesale Internet Access“ (WLA), die kompletten DSL-Anschlüsse auf der Infrastruktur der Telekom (T-Home).

Unternehmen wie United Internet (1&1) kommt dieses Vorprodukt zu Gute, da sie so die Möglichkeit bekommen, ihre DSL-Abschlüsse der eigenen Marke anbieten zu können, ohne dass sie selbst eine eigene Infrastruktur betreiben müssen. Wettbewerber wie Telefónica (o2 DSL) oder QSC bieten selbst eigne Netzleistungen für Großkunden an und werfen der Telekom nun vor, dass der Großhandelspreis, den die Telefongesellschaft verlangt, nur unwesentlich höher sei, als der der anderen Vorleistungsprodukten, für die jedoch zusätzlich eine eigene Infrastruktur betrieben werden müsse. Dem Zeitungsbericht zufolge hegt das Kartellamt außerdem den Verdacht, dass der Preis von WLA unter den Kosten liegt, die der Telekom tatsächlich entstehen und geht aufgrund dessen allen Hinweisen nach.

WLA liegt im Gegensatz zu dem Vorprodukt IP-Bitstrom-Zugang (IP BSA), dessen Preis durch die Bundesnetzagentur regelmäßig überprüft und neu festgelegt wird, nicht dieser Regulierung. Die Regulierungsbehörde hatte den Preis für IP BSA im September zum Beispiel auf 18,32 Euro netto gesenkt, was zur Folge hat, dass die Wettbewerber eine eigene Technik an Netzzugangspunkten der Telekom betreiben müssen und den Datenstrom dort ins eigene Netz übernehmen. Da bei Modellen wie WLA der gesamte Internetzugang des Endkunden auf der Infrastruktur der Telekom realisiert wird, ist diese Variante hier nicht nötig. Laut des Berichtes wirft die Frankfurter Allgemeine Zeitung der Telekom jedoch vor, dass WLA nur unwesentlich mehr kosten würde als IP-Bitstrom, angeblich handelt es sich um etwa 70 Cent.

Die Wettbewerber beschweren sich darüber, dass das „preisaggressive Verhalten“ der Telekom zu einer „faktischen Remonopolisierung des IP-Backbonemarktes“ führe. Sie sind der Meinung, dass die Telefongesellschaft das regulierungsfreie WLA nutze, um der Wholesale-Konkurrenz mit „Dumpingpraktiken“ die Kunden streitig zu machen. Die Telekom wehrt jedoch jegliche Vorwürfe ab und rechtfertigt sich vor der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, indem das Unternehmen klarstellt, dass der Preisabstand zwischen IP BBSA und WLA angemessen sei und der Wettbewerb dadurch nicht beeinflusst werde. Auch vor dem Kartellamt will die Telekom nun Stellung beziehen. Da das Verfahren der Wettbewerber und die Ermittlungen noch ganz am Anfang stehen, werden zunächst die Stellungnahmen der Unternehmen abgewartet und ausgewertet, bevor über das weitere Vorgehen entschieden wird. Allerdings führen die Rabatte der Telekom für Großkunden wie zum Beispiel United Internet immer wieder zu Streitereien in der Branche. Vor einigen Jahren gab es bereits einen ähnlichen Vorfall, bei dem ein Vorprodukt kartellrechtlich geprüft wurde. Daraufhin wurde im Mai 2006 die Abrechnung von DSL-Vorleistungen nach dem „Net-Rental“-Modell von der Bundesnetzagentur verboten.

Im aktuellen Fall wird sich erst nach gründlicher Überprüfung der Preisgestaltung der Telekom und nach Auswertung aller Stellungnahmen der Unternehmen zeigen, ob die Telefongesellschaft mit einem hohen Bußgeld oder einem Freispruch rechnen kann.